Die Probezeit: Fahrerlaubnis auf Bewährung

Der erste Führerschein wird für zwei Jahre auf Probe erteilt. Durch Fehlverhalten im Straßenverkehr kann sich die Probezeit auf 4 Jahre verlängern. Statistisch gesehen kommen mehr als 80% aller Fahranfänger ohne größere Probleme durch diese wichtige Phase.

Fahranfänger erhalten ihre erste Fahrerlaubnis auf Probe außer in den Klassen L, M, S und T. Das bedeutet, dass nach bestimmten Verkehrsverstößen an einem Nachschulungskurs bzw. Aufbauseminar teilgenommen werden muss.

Nach der Teilnahme an einem Aufbauseminar wird bei einer zweiten Auffälligkeit innerhalb der Probezeit eine individuelle verkehrspsychologische Beratung empfohlen (nicht vorgeschrieben), mit der man außerdem noch 2 Punkte in Flensburg abbaut. Bei der dritten Auffälligkeit innerhalb der Probezeit wird der Führerschein für mindestens ein halbes Jahr entzogen.

 

Wie lange dauert die Probezeit?

Solange man sich nichts zuschulden kommen lässt, 2 Jahre gerechnet vom Tag der Aushändigung des Führerscheins an. 

Für Fahrer, die in den ersten zwei Jahren einen schweren Verkehrsverstoß begangen haben und deshalb an einem Aufbauseminar teilnehmen mussten, verdoppelt sich die Probezeit auf vier Jahre.

Die Dauer der Probezeit bestimmt man also durch seine Fahrweise selbst.

 

Wann muss ich zur Nachschulung ?

Es gilt die Faustregel: Ein Aufbauseminar wird fällig bei einem Verkehrsverstoß wegen falschen Verhaltens im Straßenverkehr, den man innerhalb der Probezeit begeht, und der ein Bußgeld von mindestens 40 Euro zur Folge hat. Ab 40 Euro gibt es mindestens einen Flensburger Punkt. Und wenn es Punkte gibt, muss man fast immer zum Aufbauseminar.

    Darunter fallen zum Beispiel:

  • Geschwindigkeitsmissachtungen ab 21 km/h über dem Limit,
  • Überfahren roter Ampeln,
  • Falsches Überholen,
  • Vorfahrtverletzungen, aber auch einige erhebliche technische Mängel am Fahrzeug
  • Voraussichtlich ab Sommer 2007: Alkohol am Steuer (Gesetzentwurf von der Bundesregierung beschlossen)

Achtung: Das Fahren mit einem Fahrzeug, das offensichtlich keine Betriebserlaubnis besitzt (z.B. abgefahrene Reifen oder unzulässige Veränderungen am Fahrzeug), führt im Regelfall auch zur Anordnung eines Aufbauseminars - man ist ja verpflichtet, sich vor jeder Fahrt vom verkehrssicheren Zustand des Fahrzeugs zu überzeugen. Das gilt auch, wenn einem den Wagen gar nicht selbst gehört.

Dazu werden Verkehrsverstöße in zwei Gruppen unterteilt: Katalog A und Katalog B zum Führerschein auf Probe. 

Begeht man einen Verstoß aus Katalog A, reicht das schon aus, um zum Besuch eines Aufbauseminars aufgefordert zu werden. Im Katalog B erfolgt erst beim zweiten Verstoß die Aufforderung. In der Praxis kommen die Fälle aus Katalog B jedoch nur sehr selten vor.

Verwarnungen und andere Verstöße bis 35 Euro wirken sich nicht auf die Probezeit aus.

 

Wann kommt die Anordnung zum Aufbauseminar?

Angenommen, man begeht einen entsprechenden Verkehrsverstoß:

Zunächst wird der Bußgeldbescheid zugestellt. Die Aufforderung zur Teilnahme am Aufbauseminar wird in der Regel sehr viel später geschrieben. Das kann sich unter Umständen mehrere Monate hinauszögern und es setzt keine Verjährungsfrist ein.

 

Wird der Führerschein entzogen?

Normalerweise nicht, außer die Übertretung beinhaltet selbst schon ein Fahrverbot.

Es ist aber unbedingt zu beachten, dass man die Bescheinigung über die Teilnahme am Aufbauseminar termingerecht bei der zuständigen Straßenverkehrsbehörde vorlegt. Deshalb sollte man sich rechtzeitig um einen Seminarplatz bemühen, da diese Seminare nicht sehr oft stattfinden.

Es kommt bei der Anordnung einer Nachschulung auch nicht darauf an, wann der Bußgeldbescheid rechtskräftig geworden ist, sondern dass man den Verstoß innerhalb der Probezeit begangen hat. Man kann die Nachschulung also nur verhindern, wenn man innerhalb der Rechtsmittelfrist erfolgreich Widerspruch gegen den Bußgeldbescheid eingelegt hat, der sich bereits auf den Verkehrsverstoß bezieht.


Katalog A

(bereits beim ersten A-Delikt wird ein Aufbauseminar angeordnet):

Unfallflucht, unterlassene Hilfeleistung, fahrlässige Tötung oder Körperverletzung, Nötigung, Gefährdung des Straßenverkehrs, Trunkenheit, Fahren unter Drogeneinfluss, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Benutzung unversicherter oder nicht zugelassener Fahrzeuge (z.B. ohne Betriebserlaubnis), verbotene Fahrgastbeförderung, Verstöße gegen das Rechtsfahrgebot, stark überhöhte Geschwindigkeit (ab 21 km/h Überschreitung), mangelnder Sicherheitsabstand, falsches Überholen, falsches Abbiegen, unerlaubtes Wenden oder Rückwärtsfahren, falsches Verhalten an Bahnübergängen, an öffentlichen Verkehrsmitteln und Schulbussen, an Zebrastreifen, falsches Verhalten an Ampeln, am STOP-Schild, bei Haltzeichen von Polizeibeamten, Missachten der Vorfahrt.

Katalog B

(erst nach zwei B-Delikten wird ein Aufbauseminar angeordnet):

Kennzeichenmissbrauch. Sonstige Straftaten und Verkehrsverstöße aus dem Bußgeldkatalog, die nicht in Katalog A stehen und mindestens 40 EURO Geldbuße kosten.

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